“Nazis raus” grölen reicht nicht aus
Pro Köln als Schreckgespenst? Der Blogger „Demokrat4711“ beobachtet seit Monaten „Pro Köln“ in seinem Blog „Biedermanni verliert“ und wundert sich über die Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit.
Rheintaucher: Sollte der Rheintaucher im Rhein absaufen, wird die größte Jugendzeitung Kölns von einer rechtslastigen Initiative gemacht. Ist die Stadt noch zu retten oder wird Kölle zum braunen Jammertal?
Demokrat4711: Herrje, bitte keine Panik! Das Blättchen „Objektiv“ ist eines der typischen „Pro Köln“-Aufplusterprojekte. Wenn irgendein Stammtischbruder fünf Flugblätter auf dem Herrenklo von Ritas Eckkneipe liegen lässt, schreibt „Pro Köln“ am nächsten Tag von einer „großen Verteilaktion“. Das muss man wissen, wenn man „Pro Köln“ mit „Kölns größter Schülerzeitung“ prahlen hört. Lächerlich! Ich bezeifele zudem, dass auch nur eine Textzeile in „Objektiv“ von einem Schüler verfasst wurde. Die eine Hälfte der Texte ist der übliche rassistische Müll. Die andere Hälfte soll sich an Jugendliche heranschleimen, ist aber irgendwo im Internet geklaut. Nach dem Prinzip „copy and paste“. Leser, googelt doch einfach mal ein paar Textpassagen…
Rheintaucher: „Pro Köln“ hat einen Arbeitskreis Jugend gegründet und verteilt neben der „Schüler“-Zeitung „Objektiv“ regelmäßig Flyer an Kölner Schulen. Glauben Sie, dass hier eine generalstabsmäßig geplante und langfristig angelegte Aktion im Gange ist oder handelt es sich lediglich um punktuelle Versuche, für einen kurzfristigen Medienrummel zu sorgen?
Demokrat4711: Medienrummel ist natürlich enorm wichtig für „Pro Köln“-Chefdenker Manfred Rouhs alias Biedermanni. Denn so bekommt er die Aufmerksamkeit, die ihm als reichlich erfolgloser Verleger versagt bleibt. Er freut sich ja wirklich über fast jede mediale Erwähnung. Arme Sau! Was die generalstabsmäßige Planung betrifft: Sollte es die geben, haben Kölns Schüler Biedermannis Suppe versalzen. „Objektiv“-Heftchen landen massenweise im Altpapiercontainer, die Schüler gegen rechts klären auf, der Rheintaucher berichtet ausführlich. „Pro Köln“-Propaganda wird im Unterricht zerpflückt. Das ist gelebte Demokratie. Aber bitte immer dran denken: Die „Jugend pro Köln“ kann nur ein paar Hanseln aufbieten. Bleibt am Ball, dann ist mir um Köln nicht bange.
Rheintaucher: Wenn eine neue Ausgabe der Schülerzeitung „Objektiv“ herauskommt, verfällt die Öffentlichkeit in eine kurzzeitige Hysterie, danach wird es still. Wie schätzen Sie den Umgang der Kölner Medien und Politik mit „Pro Köln“ ein?
Demokrat4711: Er ist besser geworden, aber bei weitem nicht gut. Im Stadtanzeiger erschienen ein paar gute, entlarvende Artikel. Immerhin. Im Stadtrat wird „Pro Köln“ schlicht beschwiegen. Dabei könnte man Biedermanni und Konsorten so viel um die Ohren knallen. Man kann sie am laufenden Meter blamieren. Sie sind ja nicht die Saubermänner, sie sind nicht die demokratische Alternative, als die sie sich darstellen.
Rheintaucher: Was meinen Sie?
Demokrat4711: Nur ein Beispiel. Die „Pro Köln“-Ratsleute verdienen recht gut an ihrer Fraktion - als Rechtsanwälte und als Druckunternehmer. Biedermanni verdient gleich dreifach: als Ratsherr, als Fraktionsgeschäftsführer und als Gelegenheitsarbeiter für den Druckbetrieb seines Rats-Kameraden Bernd Schöppe. Der wiederum lebt offenbar von Druckaufträgen, die die Fraktion – sprich: Biedermanni – ihm zuschanzt. Sie machen genau das, was sie anderen vorwerfen, sie füllen sich selbst die Taschen. Ohne den Hauch eines Skrupels.
Rheintaucher: Wenn Kölner Parteien von „Pro Köln“ sprechen, ist oft von einer „rechten Splittergruppe“ und „einer handvoll unverbesserlich Gestrigen“ die Rede. Wird diese Darstellung dem tatsächlichen Ausmaß der Bürgerbewegung gerecht? Oder wird „Pro Köln“ nicht doch immer wieder als Schreckgespenst mißbraucht, um von eigenen politischen Verfehlungen abzulenken?
Demokrat4711: Von den eigenen Verfehlungen kann die große Klüngel-Koalition aus CDU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei gar nicht ablenken. Köln ist und bleibt die nördlichste Stadt Italiens. Selbst dem nicht über Gebühr talentierten Biedermanni gelingt es ja gelegentlich, die „Altparteien“ vorzuführen. Mich wundert, dass kein Ratsherr und keine Ratsdame auf den nahe liegenden Gedanken kommt, offensiv zurück zu schlagen. Dabei bietet „Pro Köln“ doch so viele Angriffsflächen. Ich bitte um Nachsicht für meine Eitelkeit, aber vielleicht sollte jede Ratsfraktion einen Beauftragten abstellen, der vor Ratssitzungen mein Weblog „Biedermanni verliert“ durchforstet. Da findet sich genug Material für Gegenangriffe.
Rheintaucher: Wie sollten Schulleiter reagieren, wenn sie feststellen, dass Pro Köln an ihrer Schule auf Nachwuchssuche geht? Totschweigen? Die Polizei rufen?
Demokrat4711: Die Polizei kann wenig ausrichten, schließlich hält „Pro Köln“ sich meist an die bestehenden Gesetze. Der Mörder und der Totschläger aus Biedermannis Umfeld sitzen ja bereits im Knast. Schulleiter haben nur eine Aufgabe: sie sollten Aktionen von Schülern nicht behindern. Wenn „Pro Köln“-Idioten vor der Schule auftauchen, dann dürfen sie keine Erfolgserlebnisse haben. Ich bin Optimist: Kölns Schüler werden auch weiterhin immer bessere Mittel und Wege finden, diese Deppen zu frustrieren. Irgendwann werden Biedermannis Truppen aufgeben. Also: Wehrt Euch mit brennender Geduld. Dann siegt Ihr auch - mittelfristig.
Rheintaucher: Was könnte aus Ihrer Sicht die Stadt Köln tun, um Schülerinnen und Schüler vom rechten Rand fernzuhalten?
Demokrat4711: Sie sollte Geld locker machen für die notwendige Aufklärungsarbeit, die Verwaltungsbeamte nicht leisten können. Es gibt ein Wähler-Potenzial von knapp 18 Prozent für eine autoritäre, nationalistische und fremdenfeindliche Partei. Das belegen sozialwissenschaftliche Untersuchungen von Professor Richard Stöss. Diese Wähler wollen aber Rechtsaußen, nicht Rechtsdraußen.
Rheintaucher: Ist die Parole „Nazis raus“, die immer wieder auf Anti-Pro-Köln-Demos skandiert wird, angebracht?
Demokrat4711: Eine erfolgreiche Rechts-Partei muss seriös und und gerade noch wählbar erscheinen. Biedermanni hat das verstanden, zumindest ahnt er es. Deswegen ist es enorm wichtig, die Saubermann(i)-Fassade einzureißen. Alltäglich. Und allgemein verständlich. „Nazis raus!“-Rufe an drei Demo-Samstagen pro Jahr reichen nicht. „Seht her“, kann Biedermanni dann ausrufen, „wir kämpfen für das Gute, Wahre, Schöne – und werden deshalb als Nazis beschimpft.“ So leicht sollten wir es ihm nicht machen. Schließlich wollen wir gewinnen, oder?














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